Glasfaserausbau: Warum Immobilienverwalter jetzt selbst das Heft des Handelns in die Hand nehmen müssen
Homeoffice, High-End-Streaming und die rasant wachsende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz machen eine leistungsstarke digitale Infrastruktur unerlässlich – der allgemeine Breitbandhunger wächst enorm. Doch da die physikalischen Grenzen der alten Kupfer- und Koaxialnetze noch nicht erreicht sind, zögern viele Verwalter und Eigentümer noch, auf Glasfaser umzusteigen. Wer aber jetzt keine eigene Strategie entwickelt, riskiert nicht nur den Anschluss, sondern verliert möglicherweise auch die Kontrolle über das eigene Gebäude.
Der Glasfaserausbau bis in jede Wohnung (FTTH – Fiber to the Home) ist längst kein Luxusthema mehr für Technikbegeisterte. Unabhängig von der Altersgruppe fordern viele Nutzer heute Bandbreiten, die stabil genug für Videokonferenzen, 4K-Streaming und Gaming sind. Zwar leisten die bestehenden Netze oft noch gute Dienste, doch die physikalischen Grenzen der klassischen Kupfer-Doppelader und koaxialer Infrastrukturen kommen immer näher. Ein wirtschaftlicher Ausbau dieser alten Systeme für immer höhere Bandbreiten ist kaum noch sinnvoll möglich.
Kosteneinsparung statt Investitionsangst
Ein weitverbreiteter Irrtum in der Branche betrifft die Kosten. Doch häufig fallen überhaupt keine Investitionskosten für die Immobilienbesitzer an, da die Anbieter meist die Installation komplett übernehmen, wenn der Ausbau in einer Stadt oder einem Stadtteil geplant ist und sich so für die Netzbetreiber attraktive Cluster bilden.
Zugleich kann man nur davon abraten, auf eigene Rechnung auszubauen. Es bestehen finanzielle Risiken und die Gefahr, rechtlich plötzlich als Telekommunikationsbetreiber eingestuft zu werden. Auch via Glasfaserbereitstellungsentgelt die Kosten auf die Mieter umzulegen, ist bei Wohnungseigentum nicht sinnvoll, zumal bei den ohnehin hohen Belastungen durch Energiekosten ein zusätzliches Entgelt für ein Netz, das derzeit vielleicht noch nicht voll genutzt wird, kontraproduktiv für die Akzeptanz der Technik wäre.
Die Gefahr der „Ad-hoc-Entscheidungen“
Die größte praktische Hürde im Bestand ist oft die Koordination mit den Netzbetreibern. Diese planen häufig in festen Gebieten, sogenannten Polygonen. Wenn ein Immobilienverwalter in diesem Moment nicht schnell reagieren kann, drohen zwei Szenarien: Entweder wird am Bestand vorbeigebaut oder der Netzbetreiber verliert das Interesse am gesamten Quartier.
Um das zu verhindern, ist eine proaktive Glasfaserstrategie hilfreich. Eine eigene Strategie aufzustellen und vorausschauend in den Eigentümerversammlungen vorzustellen, ist der bessere Weg, als ad hoc auf Anfragen reagieren zu müssen. Das gilt auch für den Umgang mit Einzelanfragen von Eigentümern und Mietern, die bereits Verträge mit Anbietern abgeschlossen haben. Wer vorbereitet ist, behält die Souveränität über die Immobilien.
Politischer Druck durch das neue Eckpunktepapier
Besondere Brisanz erhält das Thema durch aktuelle politische Entwicklungen. Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung plant eine Modernisierung des Telekommunikationsgesetzes, die die Rechte der Telekommunikationsunternehmen massiv stärken könnte. Das vorliegende Eckpunktepapier sieht unter bestimmten Bedingungen einen Anspruch auf Vollausbau aller Wohneinheiten vor – notfalls gegen den Willen der Eigentümer und unter Androhung von Sanktionen.
Verwalter und Eigentümer könnten diesen „Zwangsausbau“ durch Dritte künftig wohl nur dann abwenden, wenn sie bereits selbst aktiv geworden sind und einen eigenen Plan für den Vollausbau vorlegen können. Die Botschaft ist klar: Die Immobilienwirtschaft muss sich jetzt bewegen, um nicht zum bloßen Zuschauer bei der Modernisierung der eigenen Bestände zu werden. Mit einem dem Eckpunktepapier folgenden Referentenentwurf ist im ersten Quartal 2026 zu rechnen. Die Zeit drängt also!
Ausblick: Die Gigabit-Gesellschaft kommt
In den nächsten fünf Jahren wird Glasfaser zum weitverbreiteten Standard avancieren. Die Anforderungen durch neue Technologien wie Künstliche Intelligenz und immer höhere Bildqualitäten lassen keinen Raum mehr für veraltete Netze und niedrige Bandbreiten.
Für Immobilienverwalter und Eigentümer bedeutet das: Der Prozess lässt sich nicht aufhalten, aber er lässt sich steuern. Wer Verträge fair aushandelt und den Ausbau klar plant, sichert sich den erforderlichen Freiraum, ohne selbst zum Technikdienstleister werden zu müssen. Glasfaser ist also kein Projekt der fernen Zukunft mehr – es ist die Grundvoraussetzung für die Zukunftsfähigkeit aller Immobilien.
Kontakt
DIETMAR SCHICKEL
Geschäftsführer DSC Dietmar Schickel Consulting GmbH
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DIETMAR SCHICKEL, Jahrgang 1955, gehört zu den Männern der ersten Stunde im deutschen Kabel-TVGeschäft. Nach seiner langjährigen Geschäftsführung beim Kabelnetzbetreiber Tele Columbus konnte er mit seinem Beratungsunternehmen DSC Dietmar Schickel Consulting seit 2014 bereits Immobilienunternehmen aller Art mit mehr als 750.000 Wohneinheiten in Sachen Medienversorgung, Glasfaserausbau und Klima & Energie betreuen. Mit 20 Partnern bietet man insbesondere Beratungsleistungen bei Angebotsabfragen und Ausschreibungen an.
DSC Dietmar Schickel Consulting GmbH