Pelzige Parvenüs
Marder und Waschbären
Waschbären und Marder sind ungewollte Untermieter in Häusern. Beide Tierarten sind dämmerungs- und nachtaktiv, was manchem Mieter oder Eigentümer schon mal schlaflose Nächte bereiten kann. Doch was unterscheidet die Tiere?
Waschbären: Es begann 1934 am Edersee in Hessen
Waschbären sind ein eigentlich in Nordamerika heimisches, mittelgroßes Säugetier. In Europa begann die Verbreitung von Waschbären 1934 mit der Aussetzung von vier Waschbären am Edersee in Hessen. Durch Bombentreffer am Ende des Zweiten Weltkriegs im Garten eines Pelztierzüchters in Wolfshagen (heute Landkreis Märkisch-Oderland) kam es zu weiteren Auswilderungen. Auch flüchteten immer wieder unkontrolliert Einzeltiere aus Pelztierfarmen.
Waschbären leben heute gerne in besiedelten Gebieten, da es dort ein umfangreiches Nahrungsangebot für den Allesfresser gibt: Speisereste in Mülltonnen, auf Komposthaufen sowie Fallobst, Tierfutter von Haustieren oder für Vögel.
Zwei Waschbären bei der Futtersuche, nachts mit der Wildtierkamera aufgenommen | Foto: © Dr. Anke Behrend
Waschbären nisten sich gerne in Dachböden ein, weil es dort warm und trocken ist. Aus Dämmmaterialien werden Wurfhöhle und Schlafstelle gebaut. Das passiert bei den dämmerungs- und nachtaktiven Waschbären vorrangig nachts.
Wenn Waschbären da sind, wird es schwierig, sie wieder loszuwerden. Vermeintliche Hausmittel wie Geräusche, Gerüche oder Licht helfen nicht, denn die hochintelligenten Tiere werden bereits nach kürzester Zeit feststellen, dass ihnen keine unmittelbare Gefahr droht.
Marder: Wohlfühlort Dachboden
Marder ist der Oberbegriff für die Familie hundeartiger Raubtiere. Dazu gehören neben den Echten Mardern (Stein-und Baummarder) auch Otter, Dachse, Iltisse, Nerze und Wiesel. Marder leben fast auf der gesamten Welt.
In Siedlungsgebieten kommen häufig Steinmarder vor, weil dort die Nahrungssuche weniger aufwendig ist. Steinmarder sind vorrangig Fleischfresser; gelegentlich nimmt der Steinmarder auch pflanzliche Nahrung zu sich – oder knabbert Kabel und Schläuche vor allem in Autos an.
Auch Steinmarder suchen sich in Städten und Dörfern Unterschlupf in Gebäuden, hier gerne in Dachböden. Besonders während der Aufzucht der Jungtiere und in der Paarungszeit von April bis September fällt der nachtaktive Marder durch Geräusche und Lärm störend auf. Sonst verhält er sich ruhig und wird kaum wahrgenommen.
Foto: © istock.com / Philippe Clement
Will man Steinmarder aus dem Haus bekommen, so sollte man diese vergrämen und anschließend das Gebäude so sichern, dass das Tier nicht wieder durch Löcher im Dach oder ähnliche Einstiegsmöglichkeiten zurückkehren kann. Beim Vergrämen wird den Tieren der Aufenthalt so ungemütlich wie möglich gemacht. Die Marder sind lärmempfindlich und mögen deshalb keine lauten Geräusche. Mit viel Lärm oder lauter Musik kann man also Marder vertreiben.
Von März bis Juni kann es passieren, dass durch solche Maßnahmen die Mutter von den Jungtieren getrennt wird. Kann die Mutter die Jungtiere nicht füttern, verhungern diese. Das zieht starke Verwesungsgerüche nach sich, was unangenehmer sein kann als der Lärm der Tiere. Für eine Vergrämung und das Aussperren der Marder muss man also den richtigen Zeitpunkt wählen.
Wichtigste Regel: Nahrungsgrundlage entziehen und Gebäude sichern
Sowohl Marder als auch Waschbären unterliegen dem Jagdrecht. Deshalb ist es nicht erlaubt, diese Tiere ohne entsprechende Ausbildung (Jagdschein) zu fangen oder zu töten. Hinzu kommen Schonzeiten, in denen nicht gejagt werden darf, zum Beispiel in Berlin für Marder 1. März bis 15. Oktober und für Waschbären 1. Oktober bis 31. Januar.
Es ist also am besten, wenn man der Besiedlung eines Dachbodens durch Waschbären und Steinmarder vorbeugt. Beide Tierarten können gut klettern und finden so auch schnell einen Weg in Dachböden. Deshalb sollten Maßnahmen ergriffen werden, die Waschbären und Marder daran hindern, auf Dächer oder in Gebäude zu kommen. So sollten Bäume, die als Kletterhilfe genutzt werden könnten, zurückgeschnitten werden. An Regenrohren sollten Spikes angebracht werden, die Waschbären und Steinmarder nicht überklettern können. Auch sollten Ziegeldächer regelmäßig kontrolliert und eventuell vorhandene Öffnungen auf dem Dach, durch die die Tiere eindringen können, repariert werden.
Auch bei der Futtersuche kann man vorbeugen, denn ohne Nahrungsangebot werden Marder und Waschbär weiterziehen. Also: Mülltonnen verschlossen halten und sichern, keine Essenreste auf Komposthaufen entsorgen, Fallobst einsammeln und das Füttern von Tieren außerhalb von Gebäuden unterlassen. Auch gut gemeintes Füttern von Vögeln kann Waschbären und Steinmarder anlocken.
Bei der Bekämpfung von Waschbären und Mardern lautet also die wichtigste Regel: Nahrungsgrundlage entziehen und Gebäude sichern.
Quellen: Wikipedia, MIBABS Schädlingsbekämpfung, Sen MVKU Berlin
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Frank Behrend
FRANK BEHREND ist Landesvorsitzender des BVI Berlin/Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern.