Ein Fall aus der Schweiz zeigt, warum eine geplante Modernisierung günstiger ist als eine erzwungene
Aufzugsmodernisierung nach Plan statt nach Ausfall
In einem Mehrfamilienhaus in Meilen bei Zürich entschied sich die Eigentümerschaft vor einiger Zeit, einen rund 25 Jahre alten Aufzug zu modernisieren. Die Anlage fuhr zu diesem Zeitpunkt noch zuverlässig. Es gab keine Häufung von Störfällen, keine akute Reparatur, keinen äußeren Druck. Was es gab, war ein wachsendes Bewusstsein für ein Risiko, das sich lautlos aufbaut. Ersatzteile für die Steuerung waren kaum noch zu bekommen. Ein einziger Defekt an der falschen Stelle hätte den Aufzug auf unbestimmte Zeit lahmgelegt.
Die Eigentümer planten die Modernisierung mit Vorlauf und kommunizierten früh und klar mit den Bewohnern. Der Aufzug stand rund zwei Wochen still. Bemerkenswert ist im Rückblick vor allem, wie die Entscheidung zustande kam, nämlich ohne Notlage, ohne Zeitdruck und ohne Eilzuschlag.
Genau diese Konstellation ist selten. Die meisten Modernisierungen laufen andersherum ab.
Aufzugsanlagen in Deutschland sind im Schnitt rund 33 Jahre alt. Ein großer Teil wurde noch nie grundlegend modernisiert. Aufzüge werden im Alltag als selbstverständlich wahrgenommen. Man nutzt sie, ohne darüber nachzudenken, dass es sich um eine technische Anlage handelt, die wie ein Auto oder jede andere Technik altert. Teils hält sich sogar der Mythos vom ewig lebenden System. Mit steigendem Alter verändert sich die Risikostruktur einer Anlage jedoch kontinuierlich. Dieser Wandel verläuft unauffällig, er ist weder dramatisch noch abrupt. Ein alternder Aufzug warnt kaum vor. Häufig zeigt sich sein wahrer Zustand erst, wenn er den Dienst einstellt.
Genau dieser Moment verschiebt für eine Immobilienverwaltung die gesamte Ausgangslage. Ein technisches Detail wird binnen Stunden zum akuten Problem. Bewohner sind eingeschränkt, Beschwerden häufen sich und Entscheidungen müssen unter Zeitdruck fallen, die eine ruhige Abwägung verdient hätten. Das eigentliche Risiko liegt deshalb selten im Alter der Anlage. Es liegt darin, unvorbereitet in diesen Moment zu geraten.
Wenn die Reparatur an ihre Grenzen stößt
Steht die Anlage erst einmal still, greifen Immobilienverwaltungen zuerst zur Reparatur. Ist das defekte Teil noch erhältlich, lässt sich der Aufzug oft durch einen einfachen 1:1-Tausch rasch wieder in Betrieb nehmen. Schwieriger wird es, wenn diese Voraussetzung fehlt. Bei einem Alter von etwa 20 Jahren erreichen viele Anlagen den Punkt, an dem wichtige Bauteile nicht mehr regulär gefertigt werden, allen voran Platinen der elektronischen Steuerung.
Ein zweites, oft unterschätztes Problem kommt hinzu. Alte und neue Komponenten lassen sich technisch selten kombinieren, weil sich die Schnittstellen über die Jahre gewandelt haben. Aus einem vermeintlich schnellen Austausch wird so ein Anpassungsprojekt mit Bestandsaufnahme, technischer Auslegung und Schnittstellenabgleich. Je nach Komplexität dauert das mehrere Wochen bis Monate.
Für die Immobilienverwaltung verbleiben dann nur zwei wenig attraktive Wege: Entweder die Eigentümer zahlen für teure Übergangslösungen, etwa Sonderanfertigungen oder Spezialpersonal für veraltete Technik. Oder sie akzeptieren einen längeren Stillstand, bis eine wirtschaftlich sinnvolle Modernisierung steht. Beides bringt erheblichen Abstimmungsaufwand mit sich und zusätzlichen Druck aus der Eigentümergemeinschaft. Mietminderungen und Unmut der Bewohner verschärfen die Lage zusätzlich, besonders wenn Arztpraxen oder andere gewerbliche Nutzer im Haus auf den Aufzug angewiesen sind.
Nicht der Ausfall an sich ist also das Problem. Das Problem ist, unvorbereitet davon getroffen zu werden. Wer die Signale einer alternden Anlage rechtzeitig erkennt, behält den Spielraum für eine geplante Modernisierung.
Drei Signale, die zusammen selten täuschen
Eine Immobilienverwaltung erkennt den kritischen Punkt nicht an einem einzelnen Ereignis, sondern an drei Signalen in Kombination.
Signal eins ist das Alter. Mit rund 20 Jahren verschiebt sich die wirtschaftliche Logik grundlegend – nicht weil die Anlage dann zwangsläufig ausfällt, sondern weil eine verlässliche Reparatur von diesem Zeitpunkt an oft nicht mehr garantiert ist. Steuerungsplatinen, Antriebsteile und Sicherheitskomponenten werden nach etwa zwei Jahrzehnten nicht mehr regulär hergestellt. Solange nichts ausfällt, bemerkt das niemand. Im Schadensfall wird daraus jedoch eine Sackgasse, denn die Ersatzteilsuche zieht sich über Wochen, Sonderanfertigungen sind teuer und qualitativ unsicher und das Fachwissen für alte Technik wird knapper. Jetzt ist eine Modernisierung keine Komfortfrage mehr, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit.
Signal zwei ist der Trend bei den Reparaturkosten. Wer die Rechnungen der vergangenen fünf Jahre nebeneinanderlegt, sieht das Muster meist deutlich. Als grober Richtwert gilt, eine Modernisierung ernsthaft zu prüfen, sobald die jährlichen Instandhaltungskosten die Marke von 2.000 Euro überschreiten.
Signal drei kommt aus der Normung. Die EN 81-80 prüft systematisch, wie weit eine Anlage vom aktuellen Sicherheitsstandard entfernt ist. Das Ergebnis ist kein pauschales Urteil, sondern ein konkretes Risikoprofil mit klarem Handlungsbedarf. Betreiber, die im Schadensfall ihre Prüfpflicht nachweisen müssen, erhalten damit einen belastbaren Ausgangspunkt. Werden die daraus resultierenden Maßnahmen umgesetzt, sichert das den Betreiber im Schadensfall ab. Ein Fachunternehmen kann eine solche Sicherheitsanalyse unkompliziert durchführen und liefert konkrete Aussagen zum Sicherheitsstand.


Ein alter Aufzug gibt kaum Vorwarnung. Sein schlechter Zustand zeigt sich oft erst, wenn er aufhört zu fahren. Bei Aufzügen, die 20 Jahre oder älter sind, gibt es Ersatzbauteile häufig nicht mehr.
Ein Termin, den viele noch nicht auf dem Radar haben
Hinzu tritt gerade ein branchenweiter Faktor, den viele noch nicht kennen: Mobilfunkanbieter stellen ihre 2G-Netze bis 2028 schrittweise ab. Notrufsysteme im Aufzug, die darauf basieren, verlieren dadurch ihre Verbindung zur Notrufzentrale. Ältere Anlagen sind davon besonders betroffen. Die Umrüstung auf einen gesicherten Kommunikationsstandard ist Pflicht, denn ein funktionierender Notruf gehört zur Betreiberverantwortung. Wer die Frist reißt, riskiert neben Sicherheits- und Haftungsfolgen mit hoher Sicherheit auch die Stilllegung der Anlage bei einer der wiederkehrenden Prüfungen.
Offen ist bisher, wie sich diese branchenweite Umrüstungswelle auf die Lieferzeiten für Ersatzteile und Umbaukomponenten älterer Anlagen auswirkt. Belastbare Zahlen dazu gibt es noch nicht. Wie stark sich die Nachfrage bündelt und was das für einzelne Modernisierungsprojekte bedeutet, zeigt sich vermutlich erst, je näher das Jahr 2028 rückt.
Wer haftet, wenn es fehlt
Ein Aufzug zählt in Deutschland rechtlich als Arbeitsmittel. Wer die wirtschaftliche Kontrolle über die Anlage ausübt, trägt damit die Betreiberverantwortung und haftet bei unsachgemäßem Betrieb nach dem Arbeitsschutzgesetz. Die Betriebssicherheitsverordnung regelt das eindeutig. Die TRBS 3121 verpflichtet Betreiber zusätzlich, ihre Anlagen auf dem aktuellen Stand der Technik zu halten. Ist ein fehlender Sicherheitsstandard Ursache eines Unfalls, haftet der Betreiber. Das trifft Eigentümergemeinschaften ebenso wie einzelne Eigentümer, in bestimmten vertraglichen Konstellationen auch Mieter. Sicherheitslücken müssen durch eine passende Modernisierung geschlossen werden.
Wofür der Aufzug eigentlich fährt
Grundlage jeder Modernisierungsstrategie ist ein klares Verständnis, wen und was der Aufzug heute und künftig transportieren soll. Denn die Nutzung bestimmt, welche Technik überhaupt geeignet ist. Schon ein Gewerbe wie etwa eine Arztpraxis kann andere technische Anforderungen stellen als ein reiner Wohnkomplex.
Wer bei der Modernisierung auf offene digitale Schnittstellen setzt, schafft die Voraussetzungen für spätere Anpassungen und bleibt auch langfristig flexibel. Der Aufzug ist zudem das Erste, was Bewohner und Besucher im Gebäude wahrnehmen. Sein Zustand spiegelt den Pflegezustand des ganzen Hauses wider.
Kleinteillösung oder kompletter Neustart?
Wie die Antwort ausfällt, hängt vom Alter der Anlage ab, vom Zustand der Baugruppen und von den Zielen. Grundsätzlich stehen drei Ansätze zur Wahl.
Die Kleinteilaufrüstung, etwa eine neue Steuerung, verlangt die geringste Sofortinvestition und passt vor allem zu neueren Anlagen mit modularem Aufbau. Ist es sinnvoll, gleich auch den Antrieb zu modernisieren, greift man zum Baugruppen-Upgrade. Dabei kommen Modernisierungspakete mit aufeinander abgestimmten Komponenten zum Einsatz, sinnvoll bei Anlagen zwischen 15 und 20 Jahren. Der Komplettaustausch ist bei einem Alter von mehr als 20 Jahren die wirtschaftlich sauberste Lösung, weil er Schnittstellenprobleme zwischen alt und neu von vornherein ausschließt und kein altes Teil mit schwindender Lebenserwartung verbleibt.
Unterschätzt wird häufig der Kosteneffekt eines unkoordinierten Vorgehens. Die kumulierten Kosten mehrerer über Jahre unkoordinierter Kleinteilmodernisierungen können um bis zu 70 Prozent über denen eines geplanten Komplettaustauschs liegen. Entscheidend ist deshalb weniger die Einzelmaßnahme als die Gesamtstrategie.


Bei Aufzügen, die älter als 20 Jahre sind, ist eine verlässliche Reparatur oft nicht mehr gewährleistet, denn Steuerungsplatinen, Antriebskomponenten und Sicherheitselemente werden nach rund zwei Jahrzehnten nicht mehr regulär produziert.


Eine neue Steuerung bedeutet garantierte Ersatzteilverfügbarkeit für diese Baugruppe für die nächsten zwei Jahrzehnte. Moderne cloudbasierte Systeme analysieren Anlagendaten in Echtzeit und planen Servicearbeiten vorausschauend.
Was sich nach der Modernisierung ändert
Eine neue Steuerung sichert für die kommenden zwei Jahrzehnte Ersatzteilverfügbarkeit für diese Baugruppe. Moderne, cloudbasierte Systeme werten Anlagendaten in Echtzeit aus, planen Servicearbeiten vorausschauend und erkennen dadurch zwei Drittel möglicher Störfälle rechtzeitig. Immobilienverwaltungen, die nach der Betriebssicherheitsverordnung die regelmäßige Funktionskontrolle dokumentieren müssen, bekommen diese Überwachung automatisiert und revisionssicher geliefert.
Modernisierte Anlagen verbessern außerdem spürbar ihre Energiebilanz. Im Vergleich mit Aufzügen aus den 1990er- Jahren lässt sich der Energiebedarf bis zu 70 Prozent reduzieren. Für zertifizierte Gebäude, ob nach DGNB oder BREEAM, ist das ein messbarer Hebel.
Der Unterschied liegt im Zeitpunkt der Entscheidung
Der Fall aus Meilen zeigt, worauf es ankommt. Eine geplante Modernisierung lässt sich in ruhigere Monate legen. Angebote lassen sich sorgfältig vergleichen, andere Sanierungsmaßnahmen koordinieren, Beschlüsse in der Eigentümerversammlung ordentlich vorbereiten. Eine Modernisierung aus der Not heraus hat keinen dieser Vorteile. Der Unterschied zwischen beiden Wegen entscheidet sich lange, bevor der Aufzug stillsteht – nämlich in dem Moment, in dem eine Immobilienverwaltung die drei Signale erkennt und handelt, statt zu warten.
Kontakt
Matthias Meiner
MATTHIAS MEINER ist Business Development Manager bei der KONE GmbH und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit allen Themen rund um die Aufzugsmodernisierung. Das Unternehmen bietet Modernisierungslösungen für Aufzugsanlagen aller Hersteller an und berät Hausverwaltungen und Eigentümergemeinschaften von der Zustandsanalyse bis zur Umsetzung.
DOMUS Hausverwaltung GmbH